Änderung 1. BImSchV § 19(1) - die neuen Ableitbedingungen

Grundlagen

Die benötigte Schornsteinhöhe kann nach der 1. BImSchV oder nach VDI 3781 Blatt 4 ermittelt werden.

Während die Auslegung nach 1. BImSchV die Umsetzung grundsätzlich erleichtern soll, sind die anzustellenden Berechnungen nach VDI 3781 Blatt 4 unter Umständen sehr aufwendig und zeit- bzw. auch kostenintensiv.

Allerdings erfordern die neuen Regelungen der 1. BImSchV ggf. höhere Schornsteine, während eine Auslegung nach VDI z.B. beim Flachdach geringere Schornsteinhöhen oder auch eine traufseitige Anbringung des Schornsteins erlauben würden.

Zielsetzung

Mit der Änderung von §19 (1) BImSchV soll

  • durch firstnahe Anordnung des Schornsteins ein verbesserter Abtransport der Abgase mit der freien Luftströmung gewährleistet werden, um die Luftqualität insbesondere in dicht bebauten Wohngebieten zu verbessern
  • die Belastung der Außenluft mit gesundheitsgefährdenden Luftschadstoffen insbesondere Feinstaub vermindert werden
  • die Immission in der Nachbarschaft, also die dort ankommenden Geruchs- und Rauchbelastungen, verbessert werden

 

Wie soll das erreicht werden?

Maßgeblich für die Ableitung der Abgase in den natürlichen Luftstrom sind Höhe und Lage des Schornsteins.
Die Ableitbedingungen der geänderten BImSChV legen dafür neue Richtwerte fest. So muss die Mündung des Schornsteins mindestens 40 cm über First und gleichzeitig außerhalb der Rezirkulationszone des Gebäudes liegen, also dem Bereich, in dem die Abgase nicht vom natürlichen Luftstrom davongetragen werden würden. Zusätzlich sind Mindestabstände zu Nachbargebäuden bzw. eine Überhöhung der Schornsteinmündung bei Unterschreiten des Mindestabstandes nötig.
 

Inkrafttreten der neuen Verordnung

Die neue Verordnung gilt für alle nach dem 01.01.2022 neu installierten Festbrennstoff-Feuerungsanlagen mit weniger als 1 MW Leistung.
Wann das Gebäude errichtet oder genehmigt worden ist, ist dabei unerheblich. Eine Ausnahme für vor dem Stichtag errichtete oder genehmigte Gebäude kann bestehen, wenn die neue Regelung „unverhältnismäßig“ wäre, die Entscheidung darüber obliegt den zuständigen Behörden.

Auch für bisher ungenutzte Schornsteine ist bei Neuanschluss einer Festbrennstofffeuerstätte die neue Regelung anzuwenden.


Bestandsanlagen

Bestandsanlagen sind nicht von der neuen Regelung betroffen. Als Bestand zählen bereits vorher errichtete Anlagen, an denen weder Schornstein noch Feuerstätte geändert werden, der Austausch von vor dem 01.01.2022 in Betrieb genommenen Öl-/Gas-/Festbrennstofffeuerstätten durch eine neue Festbrennstofffeuerstätte sowie der Austausch eines bestehenden Schornsteins ohne Veränderung der Feuerstätte.


Die neue Regelung

Die neuen Ableitbedingungen nach §19 NEU im Detail

Die Austrittsöffnung des Schornsteins muss firstnah angeordnet sein und den First um mindestens 40 Zentimeter überragen. Firstnah angeordnet ist die Austrittsöffnung eines Schornsteins, wenn ihr horizontaler Abstand vom First kleiner ist als ihr horizontaler Abstand von der Traufe (A<B) und ihr vertikaler Abstand vom First größer ist als ihr horizontaler Abstand vom First (C>A). Alternativ ist eine Höhenermittlung nach VDI 3781 Blatt 4 möglich.

Zusätzlich muss die Mündung Türen, Fenster und Lüftungsöffnungen der Nachbargebäude und auch des eigenen Gebäudes abhängig vom Abstand und Anlagengröße um folgende Höhen überragen:

 

Leistungim Umkreis vonHöhe
< 50 kW< 15m≥ 1m
> 50 kW< 17m≥ 2m
> 100 kW< 19m≥ 3m
> 150 kW< 21m≥ 3m
> 200 kWVDI 3781Blatt4

 

Jeremias Höhenberechnungsprogramm

Mit unserem cleveren Rechner können Sie schnell und komfortabel die nötige Höhe der Schornsteinmündung nach 1. BImSchV §19 (1) und VDI 3781 Blatt 4 für alle Dachneigungen und Abstände von der Gebäudemitte ermitteln.

Hier geht´s zum Höhenrechner

Dächer mit mehr als 20° Dachneigung

Die Aufbaumöglichkeiten

Dunkelgrüner Bereich: Hier können Lösungen auch mit Standardsystemen realisiert werden. Den Idealfall stellt ein direkt am First platzierter Schornstein dar, bei dem sich die Austrittsöffnung wie bisher lediglich 40cm über dem First befinden muss. Bei einer freien Auskragung von bis zu 3m ab dem letzten Wandhalter kann der Schornstein auch bei Standardsystemen vom First entfernt werden.

Hellgrüner Bereich: Soll der Schornstein noch weiter vom First entfernt (max. bis zur halben Gebäudebreite) montiert werden, dann lässt sich das mit Jeremias Abgassystemen realisieren. Sie erlauben eine freie Auskragung ab dem letzten Wandhalter bis zu 6m.

Dächer mit bis zu 20° Dachneigung

Die Aufbaumöglichkeiten

Bei Dächern mit geringerer Dachneigung ist auf der schmäleren Gebäudeseite eine fiktive Dachneigung von 20° anzusetzen, die Schornsteinmündung muss mind. 40cm über deren First liegen.

Dunkelgrüner Bereich: Im Idealfall befindet sich auch hier der Schornstein wieder in der Gebäudemitte. Je weiter man bei der Montage davon abweicht, umso höher muss die Schornsteinmündung liegen (Anstieg im 45° Winkel vom fiktiven First)

Hellgrüner Bereich: Der größtmögliche Abstand von der Gebäudemitte ist für Standard- Schornsteinsysteme früher als mit Jeremias Abgassystemen erreicht. Mit unseren Systemen können Sie bei einer freien Auskragung von bis zu 6 m ab der letzten Befestigung auch noch weiter von der Mitte entfernte Schornsteine errichten.

Roter Bereich: Abweichend von den Regelungen der BImSchV kann der Schornstein bei Flachdächern mit 0° Dachneigung auch nach den Bestimmungen der VDI 3781 Blatt 4 ABS. 6.2.1 mit der Austrittsöffnung im gesamten roten Bereich errichtet werden.

Pultdächer

Die Aufbaumöglichkeiten

Auch für Pultdächer gelten die vorgenannten Regelungen in Abhängigkeit der jeweiligen Dachneigung.

Praxislösungen von Jeremias

Schornsteine mit freien Auskragungen bis zu 6m

 

 

 

Schornsteine mit Versatz

Für Feuerstätten, die näher an der Traufe als am Dachfirst platziert sind, besteht die Lösung, einen Schornstein mit Versatz zu installieren. Nach der aktuellen DIN 18160-1 sind bei außenliegenden, einfach belegten Schornsteinen bis zu zwei Schrägführungen von jeweils 45 Grad zulässig.

Auf der Dachfläche verlegte Schornsteine

Der Schornstein kann auf der Traufseite hoch- und anschließend auf der Dachfläche bis in Firstnähe weitergeführt werden. Spezielle Dachhalterungen sorgen für eine stabile und optisch saubere Montage, die bei Dachneigungen bis 45 Grad eingesetzt werden kann.

 

2-Punkt-Abspannung

Bei Verwendung einer Abspannung sind Aufbauhöhen von insgesamt bis zu 5,50m ab der letzten Halterung möglich.

Kragarm

Je nach Auslegung sind bei Montage eines Kragarms sogar größere Aufbauhöhen als 5m ab der letzten Wandanbindung möglich.

 

Leichtbauschornstein FURADO-F

Die Abgasleitung kann auch mithilfe eines Leichtbauschornsteins FURADO-F in Firstnähe geführt werden. Entweder als senkrechter Schacht oder auch mit Versatz, um von Traufnähe in einen zulässigen Bereich für die Schornsteinmündung zu gelangen.

Nachrüstung Edelstahlschornstein bei Neubau

Auch in Zukunft ist es nach wie vor möglich, einen Edelstahlschornstein in einem Neubau nachzurüsten. 

Idealerweise sollte aber bereits der der Planung eines Hauses die spätere Platzierung eines Kaminofens an einer firstnahen Stelle berücksichtigt werden, auch wenn beim Bezug des Hauses noch kein Kaminofen installiert wird.

Bei Holzhäusern oder Bauten mit Vollwärmeschutz kann beispielsweise bereits in der Bauphase kann eine Brandschutzdurchführung an zentraler, firstnaher Position in die Außenwand eingebaut werden. Diese zukunftssichere Lösung spart später teure Kosten für Verzüge, Wandöffnungen und Abbrucharbeiten.

 

FAQ

Fragen über Fragen? Hier finden Sie häufig gestellte Fragen rund um unsere einwandigen Systemen und unsere Antworten.
Falls Sie noch mehr wissen möchten, können Sie uns gerne direkt kontaktieren.

Was ist der Unterschied zwischen Schornstein, Abgasleitung und Verbindungsleitung?

Schornstein (auch Kamin genannt) ist ein rußbrandbeständiges Abgassystem aus Edelstahl, Keramik oder Schamotte, geeignet für alle Brennstoffarten – also auch für Festbrennstoffe wie Scheitholz, Pellets, Hackschnitzel oder Holzkohle.

Abgasleitung ist die Alternative zum Schornstein bei Heizungsanlagen für flüssige oder gasförmige Brennstoffe (Öl, Gas). Wegen der niedrigeren Abgastemperaturen kommen hier neben Edelstahl auch PP-Rohre mit Dichtungsmaterial aus Silikon oder EPDM infrage – Abgasleitungen sind nicht rußbrandbeständig und daher nicht für Festbrennstoffe geeignet.

Abgassystem ist der Oberbegriff für Schornstein und Abgasleitung inklusive aller Zuleitungs- und Verbindungskomponenten.

Verbindungsleitung (dazu gehören auch Ofenrohre bzw. Rauchrohre)ist die Leitung zwischen Feuerstätte und Schornstein bzw. Abgasleitung. 

Welche Schornsteinarten gibt es?

Jeremias unterscheidet vier Schornsteinarten, je nach Einbausituation und Anwendung:

  • Einwandiges Abgassystem: wird zur Schornsteinsanierung in bestehende, gemauerte Kamine eingezogen oder als Verbindungsleitung zwischen Feuerstätte und Schornstein eingesetzt.
  • Edelstahlschornstein (doppelwandig): flexibles, auch nachträglich installierbares Abgassystem mit Isolierung zwischen Innen- und Außenrohr – meist als Außenkamin genutzt.
  • Konzentrisches Abgassystem (LAS-Schornstein): ermöglicht raumluftunabhängigen Betrieb ohne separates Zuluftsystem – die Feuerstätte holt sich die Verbrennungsluft über den Ringspalt zwischen Innen- und Außenrohr (Details siehe Frage 4). Bei Jeremias z. B. die TWIN-Systeme.
  • Leichtbauschornstein: feuerfeste Schächte für den Aufbau im Gebäudeinneren, geringes Gewicht, kompakte Maße.
  • Industrieschornstein (Stahlschornstein): komplexe Lösungen für industrielle Anwendungen.

Welche Schornsteinart infrage kommt, hängt vor allem davon ab, ob ein bestehender Kamin saniert oder neu gebaut wird, ob der Schornstein nachträglich flexibel positioniert werden muss oder fest im Innen- bzw. Außenbereich montiert wird, ob eine raumluftunabhängige Verbrennungsluftzufuhr ohne separates Zuluftsystem gewünscht ist und ob es sich um eine häusliche oder industrielle Anwendung handelt.

Ist die Schornsteinart einmal gewählt, entscheiden weitere Kriterien wie Brennstoff, Abgastemperatur, Druckdichtheit, Rußbrandbeständigkeit, Durchmesser und Schornsteinhöhe über das konkrete System bzw. den Werkstoff.

Wann wird ein einwandiges und wann ein doppelwandiges Abgassystem verwendet?

Die Wahl zwischen einwandigem und doppelwandigem System (in Fachkreisen auch einschalig bzw. zweischalig genannt) hängt vor allem vom Einbauort und den Witterungsbedingungen ab.

Einwandige Abgassysteme werden primär für die Querschnittsverminderung bei der Sanierung bestehender Schornsteine oder als Verbindungsleitung von der Feuerstätte zum Schornstein verwendet. Da sie ohne Isolierung bzw. Dämmung auskommen, sind sie in der Regel für den Innenbereich bzw. den Einzug in einen bestehenden, geschützten Schacht vorgesehen (siehe Schornsteinsanierung).

Doppelwandige Abgassysteme werden aufgrund ihrer Isolierung bei der Außenwandmontage eingesetzt. Im Außenbereich sorgt die Isolierung bei kalten Witterungsbedingungen für den Erhalt der Abgastemperatur und stellt so den notwendigen Auftrieb sicher, während das Außenrohr sich nicht erhitzt. Ein unisoliertes, einwandiges Rohr würde im Freien schneller auskühlen. Die Abgase kondensieren dann früher, was Korrosion begünstigt und im Winter sogar zu Zugstörungen führen kann. Deshalb kommen im Außenbereich nahezu ausschließlich doppelwandige Systeme zum Einsatz.

Auch im Innenbereich ist das relevant, wenn ein bestimmter Abstand zu brennbaren Bauteilen eingehalten werden muss. Die Isolierung des doppelwandigen Abgassystems reduziert die Außenrohrtemperatur, wodurch geringere Sicherheitsabstände zu Holzbalken, Dämmstoffen oder anderen brennbaren Materialien zulässig sind als bei einwandigen Systemen.

Was ist der Unterschied zwischen Luft-Abgas-Schornsteinen (LAS) und konzentrischen Abgassystemen?

Keiner – LAS und konzentrisches Abgassystem bezeichnen in der Praxis dieselbe Wirkweise. Streng genommen ist "LAS" (Luft-Abgas-System) der Oberbegriff, das konzentrische Abgassystem lediglich seine gängigste Bauform.

Zwei ineinanderliegende Rohre arbeiten dabei unabhängig voneinander. Das Innenrohr führt die heißen Abgase ab. Der Spalt zwischen Innen- und Außenrohr versorgt die Feuerstätte mit Frischluft von außen. Diese Funktionsweise nennt man raumluftunabhängigen Betrieb.

Nach dem Gegenstromprinzip wird die Außenluft am Innenrohr entlang zur Feuerstätte geführt. Dabei nimmt sie die Wärme der Abgasleitung auf und wird vorgewärmt. Dieser Effekt steigert die Wirkung der Brennwerttherme und trägt zu einer effizienteren Verbrennung bei.

Neben der konzentrischen Bauweise gibt es auch die sogenannte Schacht-Variante. Hier wird die Verbrennungsluft nicht im Ringspalt zwischen zwei Rohren angesaugt, sondern über einen umgebenden Schacht. Die Abgase führt dabei ein einzelnes Rohr im Schacht ab. Im allgemeinen Sprachgebrauch (auch in unserem Produktportfolio) ist mit "LAS-Schornstein" meist trotzdem die konzentrische Ausführung gemeint. Sie ist die mit Abstand häufigste Lösung im Neubau und in der Sanierung.

Unser TWIN-System arbeitet als konzentrischer LAS-Schornstein. Es kommt somit ohne einen klassischen Schornstein aus. Die Feuerstätte lässt sich dadurch flexibel an praktisch jedem Standort im Gebäude installieren, sofern die geltenden Brandschutzvorschriften und Regeln der jeweiligen bauaufsichtlichen Zulassung eingehalten werden.

Welcher Edelstahl bzw. welche Sonderwerkstoffe sind der richtige für meine Abgasanlage?

Die richtige Werkstoffwahl hängt davon ab, welches Bauteil (Innen- oder Außenrohr) betroffen ist und wie korrosiv die Umgebung ist. Der Standard für Außenrohre ist im Normalfall der Edelstahl 1.4301.

Standard im Innenrohr für Regelfeuerstätten ist der säurebeständige Edelstahl V4A (Werkstoffnummer 1.4404 / 1.4571). Dieser ist widerstandsfähiger gegen das saure Kondensat, das bei modernen Brennwertfeuerstätten anfällt, als der einfachere 1.4301.

Salzhaltige Luft fördert die Korrosion bei normalem Edelstahl. Daher wird in korrosiven Umgebungen wie beispielsweise Küstenregionen häufig auch als Außenrohr auf den säurebeständigen Werkstoff 1.4571 zurückgegriffen. Alternativ bieten sich pulverbeschichtete oder lackierte Außenrohr-Oberflächen an, die zusätzlichen Schutz vor Witterungseinflüssen bieten, bei Jeremias zum Beispiel im Rahmen der verfügbaren Oberflächenvarianten.

Das ist ein eigener Anwendungsfall – zu unterscheiden von aggressiven, säurehaltigen Abgasen: Dafür nutzt Jeremias den hochlegierten Werkstoff 1.4539 im Innenrohr (System DW-SILVER). Dieser kommt insbesondere bei Biomassefeuerstätten (z. B. Hackschnitzel, Scheitholz, Pellets) im kondensierenden Betrieb zum Einsatz, da er auch nach einem Rußbrand beständig gegen saures Kondensat bleibt. Das Außenrohr besteht dabei weiterhin aus dem Standardwerkstoff 1.4301.

Welcher Werkstoff im Einzelfall zulässig und erforderlich ist, richtet sich zusätzlich nach der bauaufsichtlichen Zulassung des jeweiligen Systems und der angeschlossenen Feuerstätte.

Was ist Kondensat und wie bildet es sich?

Kondensat entsteht, wenn die Abgase unter ihren Taupunkt abkühlen (bei Gas ca. 57 °C, bei Öl ca. 47 °C). Der im Abgas enthaltene Wasserdampf verflüssigt sich an den kalten Innenwänden des Schornsteins. Bei fossilen Brennstoffen und Biomasse ist dieses Kondensat sauer und korrosiv.

Vor allem bei modernen Brennwertgeräten wird dieser Effekt sogar gezielt genutzt: Sie kühlen die Abgase bewusst unter den Taupunkt ab, um die zusätzliche Kondensationswärme energetisch zu nutzen. Für den Schornstein bedeutet das aber, dass dauerhaft mit Kondensatanfall zu rechnen ist.

Ein klassischer, gemauerter Schornstein ist für diesen dauerhaften, sauren Kondensatanfall nicht ausgelegt: Er würde auf Dauer durchfeuchten und im Mauerwerk versotten. Ein Schornstein für kondensierenden bzw. feuchten Betrieb muss deshalb mehrere Anforderungen erfüllen: Er muss kondensatdicht sein, damit kein Kondensat unkontrolliert in die Bausubstanz gelangt. Das Innenrohr muss aus einem säurebeständigen, feuchteunempfindlichen Werkstoff bestehen (Edelstahl 1.4404 / 1.4571), damit das saure Kondensat keine Korrosion verursacht. Und er benötigt einen Kondensatablauf, über den das anfallende Kondensat kontrolliert abgeführt und in der Regel vor der Einleitung ins Abwassersystem neutralisiert wird.

Unsere Edelstahlschornsteine wie DW-FU oder DW-SILVER sind speziell für den kondensierenden bzw. feuchten Betrieb konzipiert: Das Innenrohr aus V4A-Edelstahl (bzw. bei besonders aggressivem Kondensat aus 1.4539, siehe unser DW-SILVER-System) bleibt auch bei dauerhaftem Kontakt mit saurem Kondensat beständig. In Kombination mit einem passenden Kondensatablauf-Bauteil lässt sich das Kondensat sicher und normgerecht ableiten. Die Grundplatte mit Kondensatablauf wird für jedes System (DW-FU, DW-ECO, DW-VISION, DW-SILVER) passend angeboten, damit die Kondensatabführung direkt bei der Planung des Schornsteins mit einbezogen werden kann.

Unter welchen Bedingungen muss ich meine Feuerstätte zwingend raumluftunabhängig betreiben?

Die verbindliche Einstufung "raumluftabhängig" oder "raumluftunabhängig" erfolgt immer über die DIBt-Zulassung/Bauartzulassung der Feuerstätte in Kombination mit der Abnahme durch den zuständigen Schornsteinfeger, der die konkrete Einbausituation prüft. Es gibt jedoch Fälle, in denen eine raumluftunabhängige Betriebsweise faktisch unumgänglich ist:

Fall 1: Zu wenig Verbrennungsluftvolumen im Aufstellraum. Wenn sich rechnerisch (nach FeuVO) nicht genug Verbrennungsluftvolumen im Aufstellraum nachweisen lässt, zum Beispiel aufgrund einer zu geringen Raumgröße, fehlender Außenluftöffnungen oder einer sehr luftdichten Bauweise des Gebäudes (z. B. KfW-/Passivhaus), ist eine raumluftunabhängige Feuerstätte zwingend. Auch wenn eine bestehende Öffnung für Verbrennungsluft (z. B. durch nachträgliche Dämmmaßnahmen oder Fenstertausch) verschlossen wird, kann die Feuerstätte danach nur noch raumluftunabhängig weiterbetrieben werden.

Fall 2: Gleichzeitiger Betrieb mit Abluftanlagen. Nach den Feuerungsverordnungen (FeuVO) der Länder dürfen raumluftabhängige Feuerstätten grundsätzlich nicht gleichzeitig mit Abluftanlagen (Dunstabzugshaube im Abluftbetrieb, Ablufttrockner etc.) im selben Raum/Nutzungsbereich betrieben werden. Als Ausnahme lässt die Muster-Feuerungsverordnung mehrere gleichwertige technische Lösungen zu: eine Sicherheitsschaltung, die einen gefährlichen Unterdruck erkennt und die Abluftanlage abschaltet, eine zusätzliche separate Zuluftöffnung zur Feuerstätte, einen Verriegelungsschalter, der nur den Betrieb von Feuerstätte oder Lüfter gleichzeitig erlaubt, oder einen messtechnischen Nachweis, dass ein festgelegter Unterdruckgrenzwert nicht überschritten wird. Ist keine dieser Lösungen umgesetzt oder nachgewiesen, ist raumluftunabhängiger Betrieb vorgeschrieben.

Fall 3: Gebäude mit mechanischer Lüftungsanlage. Bei Gebäuden mit mechanischer Lüftungsanlage (Zu-/Abluftanlage) besteht ein erhöhtes Risiko für Unterdruck. Auch hier verlangen viele Schornsteinfeger bzw. die Landesbauordnungen den raumluftunabhängigen Betrieb, wenn kein anderweitiger Nachweis erbracht wird.

Genau für diese Fälle sind die Jeremias TWIN-Systeme konzipiert. Das Innenrohr leitet nach dem Gegenstromprinzip die heißen Abgase nach draußen, während die Feuerstätte sich durch den Spalt zum Außenrohr Frischluft nach innen holt.

Wie hoch ist die Lebensdauer von Edelstahlabgasanlagen?

Edelstahlabgasanlagen erreichen bei fachgerechter Planung und Wartung eine extrem lange Lebensdauer. Bei richtiger und regelmäßiger Wartung sind Nutzungsdauern von deutlich über 25 Jahren keine Seltenheit. Jeremias bietet daher eine Herstellergarantie von 25 Jahren auf die Korrosionsbeständigkeit der Edelstahlbauteile.

Edelstahl gilt auch als besonders nachhaltiger Werkstoff. Rund 80 bis 90 Prozent des im Umlauf befindlichen Edelstahls werden recycelt, und das Material lässt sich beim Einschmelzen ohne Qualitätsverlust immer wieder neu verwenden. Hinzu kommt der lange Lebenszyklus: Je länger eine Abgasanlage im Einsatz bleibt, desto seltener muss sie ersetzt werden. Das spart über die Zeit Rohstoffe und Energie, die sonst für Herstellung, Transport und Entsorgung neuer Bauteile anfallen würden.

Die 25-jährige Herstellergarantie auf die Korrosionsbeständigkeit unserer Edelstahlbauteile steht damit nicht nur für Werterhalt, sondern auch für einen bewussten Umgang mit Ressourcen.